Von Mag. Christoph Schwalb | med.ium 3+4/2026
„Warum wollen Sie Herzchirurgin werden?“ Diese Frage stellte ein Oberarzt Martina Höftberger, die heute Fachärztin für Herzchirurgie und Mutter eines Sohnes ist, in ihrer Ausbildung. Der provokante Ton überraschte sie, vermittelte er ihr doch unterschwellig die Frage, was sie hier wolle. Was sie wollte, war der Wunsch, Herzchirurgin zu werden, und das echte, schlagende Herz zu sehen, das sie während des Studiums fasziniert hatte.
Ein Weg mit vielen Stationen und noch mehr Erfahrungen, schildert Dr.in Höftberger dem med.ium. 2008 und 2009 durfte sie als Herz-Transplantkoordinatorin erste Einblicke in die Herzchirurgie und das System am AKH Wien gewinnen. Seit 2013 ist sie am Uniklinikum Salzburg tätig und würde den langen, steinigen Weg zu ihrem Traumberuf wieder gehen. Ein Weg, auf dem sie als Frau in der chirurgischen Ausbildung oft das Gefühl hatte, „ihren Mann“ stehen zu müssen.
Dr.in Martina Hübner, Oberärztin an der Salzburger Uniklinik für Orthopädie und Traumatologie, berichtet in ihren Erinnerungen an die Ausbildung von „Dämpfern“ wie etwa der Frage von PatientInnen, wann „eigentlich der Arzt kommt“. Unausgesprochen erwartet wurde auch, dass sie und ihre AusbildungskollegInnen nach Forschungsarbeiten bis 1 oder 2 Uhr in der Früh am Morgen bei der Visite um 6.50 Uhr wieder auf der Station waren. Verspätungen oder müde Blicke wurden nicht gutgeheißen. Dennoch war es Dr.in Hübner immer wichtig, die Ausbildung aktiv zu gestalten.
Dr.in Hübner, seit 2020 Mutter eines Sohnes, ist froh, dass es die Möglichkeit der Elternzeit und einer guten Kinderbetreuung gibt, sie sich auf ihren Mann und ihre Eltern verlassen kann. Das habe ihr sehr geholfen. Sie bedauert, dass immer noch das ein oder andere Vorurteil gegenüber Kolleginnen in Elternzeit gebe, gerade was die Arbeitsleistung angehe. Schließlich arbeiteten Teilzeitkräfte, häufig Mütter, oft doppelt so effizient aufgrund der geringeren Stundenzahl.
Dr.med. Franz Singhartinger, Facharzt für Allgemeinchirurgie und Viszeralchirurgie an der Uniklinik für Chirurgie in Salzburg, schildert aus seiner Sicht, dass die Allgemein- und Viszeralchirurgie stark männlich dominiert sei. In kleineren Abteilungen, gerade in der Chirurgie, spiele häufig die persönliche Beziehung zu Vorgesetzten eine Rolle, welche Eingriffe man durchführen dürfe, erinnert er sich an seine Ausbildungszeit in Deutschland. An größeren Kliniken, wie am Uniklinikum Salzburg, in denen die Ausbildung häufig strukturierter abläuft, sei dies nicht der Fall.
Dr. Singhartinger und seine Frau, die ebenfalls in einem medizinisch-operativen Fach tätig ist, haben zwei Kinder, was eine Herausforderung darstelle. Hier sei eine gute Kinderbetreuung mit langen Öffnungszeiten extrem wichtig. Privat gebe es ein ausgeprägtes gegenseitiges Verständnis füreinander und beide üben ihren Beruf genauso leidenschaftlich aus wie sie sich gleichberechtigt um ihre Familie kümmern. Dennoch ist er überzeugt davon, dass die moderne Chirurgie flexible Arbeitszeiten, Teilzeit und alternative Arbeitsmodelle bieten muss, um weiterhin fähiges und motiviertes Personal zu finden.
Dr.in Silvia Reich-Weinberger, Fachärztin für Allgemeinchirurgie und Viszeralchirurgie und Ärztliche Direktorin in der Landesklinik Hallein, durfte während ihrer Ausbildung schon früh operative Verantwortung übernehmen und wurde fachlich wie menschlich gut auf die vielfältigen Anforderungen des chirurgischen Alltags vorbereitet. Als sie Mutter wurde, hat ihrer Karriere eine gute Organisation sowie – nicht selbstverständlich – ihr Ehemann geholfen, der viele familiäre Aufgaben übernahm und seine eigene Karriere bewusst zeitweise zurückstellte. Diese partnerschaftliche Unterstützung machte ihre chirurgische Laufbahn überhaupt erst möglich, so Dr.in Reich-Weinberger. Durch die tatkräftige Hilfe ihres Partners war ihre Mutterschaft im Berufsalltag kaum spürbar – ein Hinweis darauf, wie sehr Akzeptanz noch oft an traditionelle Rollenbilder gekoppelt sei.
Priv.-Doz. Dr.in med. Katja Emmanuel, Fachärztin für Orthopädie und Sportchirurgie im Uniklinikum Salzburg, war in ihrer Ausbildung immer wichtig, sich aktiv einzubringen, Interesse am Fach zu zeigen und Eigeninitiative zu übernehmen. Da sie und ihr Partner keine Familie vor Ort hatten, die sie bei der Erziehung ihrer zwei Kinder unterstützen konnte, waren sie in der glücklichen Lage, die Kinderbetreuung privat organisieren zu können. Ein Vorteil, den jedoch nicht alle ihrer Kolleginnen haben.
Ein weiteres wichtiges Thema betrifft laut Dr.in med. Emmanuel die Situation während der Schwangerschaft: In Österreich ist es häufig so geregelt, dass man ab Bekanntgabe der Schwangerschaft nicht mehr im Operationssaal tätig sein darf. Dadurch gehe gerade in der Ausbildung wertvolle operative Erfahrung verloren, so Dr.in med. Emmanuel.
Hinzukomme manchmal das Gefühl und der Druck, sich noch mehr engagieren zu müssen, um zu zeigen, dass Familie und Beruf gut miteinander vereinbar sind. Und da spiele ein plagendes, schlechtes Gewissen eine große Rolle – der Familie, der Arbeit oder den Patienten gegenüber. Die Unterstützung, die sie durch ihren Professor erfahren hat, vor allem betreffend Arbeitszeiten und organisatorische Flexibilität, war für sie sehr wertvoll.
Grundsätzlich gilt jedoch: Wenn man sich in einem operativen Fach behaupten möchte, brauche es Engagement und kontinuierliche Praxis. Um operative Fähigkeiten zu entwickeln und zu festigen, sei eine gewisse Frequenz an operativen Fällen wichtig. Nur so könne man die nötige Routine und Sicherheit entwickeln, so Dr.in med. Emmanuel. Unabhängig davon, ob man Mutter ist oder nicht.
„War die Ausbildung schwierig? Ich kann es schwer beurteilen – ich kenne nur diesen einen Weg. Aber ich weiß, ich würde ihn jederzeit wieder gehen. Genau so. Natürlich war es ein steiniger Pfad: lange Arbeitszeiten, damals noch ohne strenges Arbeitszeitgesetz, ein eingeschränktes Sozialleben, Konkurrenz unter Kollegen. Aber ich habe viel erlebt, gelernt, gelacht – und ich darf heute meinen Traumberuf ausüben. Dafür bin ich jeden Tag dankbar. Zwischen Anspruch und Anpassung: Als Frau in der chirurgischen Ausbildung hat man oft das Gefühl, „seinen Mann“ stehen zu müssen. Es herrscht die unausgesprochene Erwartung, besonders belastbar, besonders durchsetzungsfähig und möglichst emotionslos zu sein.
Gleichzeitig schwebt die Angst mit, als „zickig“ oder „kompliziert“ wahrgenommen zu werden, wenn man sich äußert, Grenzen setzt oder einfach nur eine andere Perspektive einbringt. Diese Gratwanderung ist real – und sie ist kräftezehrend. Sie führt dazu, dass viele Kolleginnen schweigen, sich anpassen, sich selbst zurücknehmen. Auch ich habe das getan. Heute bedaure ich, dass ich mich bei klarer Diskriminierung nicht offen dagegen ausgesprochen habe. Ich hatte Angst, es würde gegen mich verwendet werden. Dass ich als „problematisch“ gelten würde. Dieses Schweigen war ein Schutzmechanismus – aber es hat auch dazu beigetragen, dass solche Gender-Strukturen weiterbestehen.
Unterstützung kennt kein Geschlecht: Und dennoch: Ich habe auch viel Unterstützung erfahren – gerade von männlichen Kollegen. Sie haben mich gefördert, mir Vertrauen geschenkt, mich ernst genommen. Einige von ihnen haben mich in Momenten erlebt, in denen ich emotional war, in denen ich geweint habe. Und nie – kein einziges Mal – hatte ich das Gefühl, sie würden mich deswegen als schwach ansehen. Diese Erfahrung hat mich geprägt. Sie hat mir gezeigt, dass wahre Kollegialität nichts mit Geschlecht zu tun hat, sondern mit Haltung, Respekt und Menschlichkeit.
Chirurgin und Mutter – geht das?
Ich bin verheiratet, mein Mann ist Softwareentwickler, und wir haben einen großartigen siebenjährigen Sohn. Nach der Geburt war ich ein Jahr in Karenz, danach waren mein Mann und ich ein Jahr zu 80 Prozent angestellt, seither beide wieder in Vollzeit.
Hatte ich Angst, dass es als Chirurgin und Mutter schwierig wird?
Ja. War es tatsächlich schwierig? Nein – aber logistisch deutlich aufwendiger. Chirurgie ist in meinen Augen wie Radfahren: Man verlernt es nicht. Der Wiedereinstieg fühlt sich vielleicht holprig an, aber man holt schnell wieder auf. Die Angst kam nicht von mir selbst – sie wurde mir suggeriert. Vor allem von älteren männlichen Kollegen, ironischerweise oft selbst Väter.
Aussagen wie „Die Ausbildung leidet, wenn ein Kind da ist“ oder „Andere Kollegen werden sie überholen“ waren nie direkt an mich gerichtet – aber ich habe sie oft gehört. Und ich habe geschwiegen. Ich habe junge, talentierte Frauen erlebt, die aufgrund solcher Aussagen einen anderen beruflichen Weg eingeschlagen haben. Und das tut mir von Herzen leid, sie wären heute vielleicht die motiviertesten und fleißigsten Herzchirurginnen.
Zwischen Respekt und Realität: Ich empfinde mich heute in der SALK an der Uniklinik für Herzchirurgie sehr angekommen. Ich fühle mich respektiert – nicht nur in meiner Abteilung, sondern auch im Haus, in der Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen. Das ist sicher eine Frage der Erfahrung, des Alters, des Auftretens – und vor allem, wie man Menschen begegnet. Aber ich weiß auch: Ich stehe dort, wo ich bin, weil ich von großartigen Teams umgeben war und es nach wie vor bin. Und weil ich mit Fleiß und Herzblut gearbeitet habe.
Ein Satz, der mich bis heute begleitet, stammt von Professor Andreas Zuckermann, dem Leiter der Herztransplantation am AKH Wien, einst Mentor, heute Freund: „Eine Herztransplantation kann nur funktionieren, wenn sich ein Team dafür einsetzt – das ist ein Mannschaftssport, keine One-Man-Show.“ Dieses Prinzip lebe ich heute in Salzburg weiter – in einem engagierten Team, das auch in herausfordernden Zeiten jeden Tag mit Herz bei der Sache ist. Vernetzung statt Konkurrenz: Solche Teams sind nicht nur im Beruf wichtig. Auch privat funktioniert mein Leben nur, weil meine Familie – insbesondere meine beiden Männer – ein perfektes Team bildet. Erst durch sie konnte ich die beste Version meiner selbst werden. Ich bewundere all jene, vor allem Frauen, die sich als Alleinerziehende ohne familiäre Unterstützung im chirurgischen Beruf behaupten. Sie leisten Unglaubliches.
Was ich mir wünsche?
Dass Frauen sich mehr vernetzen, sich gegenseitig unterstützen und nicht jede nachkommende Kollegin als Konkurrenz sehen. In den letzten Jahren habe ich viele Gespräche dazu geführt – und ich spüre, dass sich etwas bewegt. Eine engagierte Kollegin aus Linz setzt sich für ein österreichweites Herzchirurginnen-Netzwerk ein, das ich mit voller Überzeugung unterstütze. Denn: Frauen müssen aufhören, alles allein „erkämpfen“ zu wollen. Das haben viele männliche Kollegen längst verstanden. Es ist Zeit, dass wir es auch tun – gemeinsam, mit Haltung und Herzblut.“
1. Wie war Ihre Ausbildung zur Chirurgin?
Ich habe 2010 mit der Facharztausbildung an der Uniklinik für Orthopädie und Traumatologie (damals Unfallchirurgie) begonnen. Da wir von Seiten des Arbeitszeitgesetzes noch nicht so limitiert waren, hatten wir zwar eine hohe Arbeitsbelastung mit vielen Diensten, aber auch eine steile Lernkurve. Während meiner Ausbildung wurde ich früh zum selbstständigen Arbeiten herangeführt und lernte so bald, Entscheidungen zu treffen, auch in schwierigen Situationen.
Gerade als hochmotivierte junge Assistenzärztin habe ich aber doch den einen oder anderen Dämpfer einstecken müssen: z.B. bei der Aufklärung vor komplexeren Operationen, wo ich in langen Gesprächen mit der Patientin oder dem Patienten versucht habe, einen Eingriff samt Risiken bestmöglich zu erklären und dann am Ende die Frage gestellt wurde: „Und wann kommt jetzt eigentlich der Arzt?“
2. Wurden Sie von Vorgesetzten/Mentoren gefördert und wenn ja, wie?
Selbstverständlich wurde ich von meinen Vorgesetzten, Mentorinnen und Mentoren gefördert. Diese Förderung betraf neben dem Erlernen und Weiterentwickeln der chirurgischen Fähigkeiten auch das Heranführen an Wissenschaft und Lehre. Meinem früheren Chef Prof. Resch war Forschung sehr wichtig. Ich erinnere mich noch gut an eine Arbeit, die ich mit einem Kollegen am anatomischen Institut gemacht habe.
Wir haben über mehrere Wochen neben der normalen Arbeitsbelastung und den zusätzlichen Diensten fast jede Nacht bis 1 oder 2 Uhr früh Wirbelkörper präpariert, um in weiterer Folge biomechanische Testungen von Implantaten durchzuführen. Es war trotzdem selbstverständlich, dass wir am Morgen bei der Visite um 6.50 Uhr auf der Station waren. Eine Verspätung oder nur müde Blicke wurden nicht gutgeheißen. Für mich selbst war es immer wichtig, die Ausbildung aktiv zu gestalten.
3. Welche Erfahrungen haben Sie am Weg zur Fachärztin für Unfallchirurgie mit Vorgesetzten und Kollegen (männlich wie weiblich) gemacht?
Ich habe während meiner gesamten Ausbildung überwiegend positive Erfahrungen mit Vorgesetzten und Kolleginnen und Kollegen gemacht. Wir hatten einen großen Zusammenhalt untereinander und unterstützten uns nicht nur in stressigen Situationen.
4. Wie ist Ihre Karriere verlaufen?
Ich bin 2016 Fachärztin für Unfallchirurgie geworden und im darauffolgenden Jahr Fachärztin für Orthopädie und Traumatologie. Seit 2018 bin ich Oberärztin an der Uniklinik für Orthopädie und Traumatologie mit Schwerpunkt Kinder- und Neuroorthopädie.
5. Wie haben Sie es als Mutter geschafft, Ihre medizinische Karriere zu organisieren?
Seit 2020 bin ich Mutter eines Sohnes und sehr stolz darauf. Ich bin froh, dass es die Möglichkeit der Elternzeit gibt, ich kann mich zusätzlich auf meinen Mann, eine gute Kinderbetreuung, aber auch meine Eltern immer verlassen. Das hilft mir sehr.
6. Wie wurden Sie als Mutter von den Kolleginnen aufgenommen im Beruf?
Für mich hat die Mutterschaft keinen Unterschied in der Wahrnehmung als Kollegin gemacht. Es gibt aber immer noch das eine oder andere Vorurteil gegenüber Kolleginnen in Elternzeit, gerade was die Arbeitsleistung angeht. Ich wage aber zu behaupten, dass wir Teilzeitkräfte nicht die halbe Leistung bringen, sondern oft doppelt so effizient arbeiten. Das muss man als Mutter auch können.
1. Wie war Ihre Ausbildung zum Chirurgen?
Ich habe meine Ausbildung in Deutschland begonnen. Nach 1,5 Jahren in der Gynäkologie und Geburtshilfe in einem kleinen Krankenhaus in Berlin kam der Wunsch nach einer umfassenderen chirurgischen Ausbildung auf. Anschließend habe ich meine chirurgische Ausbildung am Städtischen Klinikum Brandenburg an der Havel begonnen. Im Verlauf meiner Ausbildung dort wurde das Städtische Klinikum Brandenburg an der Havel zu einem Uniklinik um und ich konnte erste Erfahrungen mit universitärem Arbeiten (Vorträge, Kongresse, Drittmittelakquise) sammeln.
Anschließend erfolgte aus persönlichen Gründen der Wohnortwechsel ins an Salzburg grenzende Oberbayern. Dabei mir schon immer ein gewisses Interesse an wissenschaftlicher Arbeit bestand habe ich mich am Uniklinik um Salzburg beworben. Glücklicherweise konnte ich hier meine chirurgische Ausbildung fortsetzen und nach knapp 2 Jahren auch erfolgreich als Facharzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie abschließen. Seither habe ich mich auf interventionelle Endoskopie spezialisiert.
Der Verlauf der chirurgischen Ausbildung in Deutschland ist sehr ähnlich der Ausbildung in Österreich. Man beginnt mit kleinen Eingriffen unter Supervision. Nach Monaten bis Jahren werden dann auch größere Eingriffe assistiert. Insgesamt ist leider zu erwähnen, dass es keine eindeutige zeitliche Struktur für einen Assistenzarzt/eine Assistenzärztin gibt, das heißt, es ist nicht bei jedem/jeder gleich, zu welchem Zeitpunkt man welchen Eingriff welcher Schwierigkeitsstufe durchführen darf.
2. Wurden Sie von Vorgesetzten/Mentoren gefördert und wenn ja, wie?
Ich hatte das große Glück, in jeder Ausbildungsphase bis zum Facharzt und darüber hinaus von erfahrenen Kolleginnen und Kollegen gefördert zu werden. Hier spielen spezielle Fähigkeiten und Interessen und insbesondere auch das Funktionieren in einem Team eine große Rolle. Vor allem bei der vertieften Spezialisierung in der interventionellen Endoskopie wurde ich sehr von meinem Mentor Dr. Josef Holzinger gefördert. Ich konnte von Anfang an fortgeschrittene Interventionen unter Supervision und im Verlauf natürlich auch eigenständig durchführen. Mein Mentor hat sich dabei bemüht nicht nur Standards zu lehren, sondern auch persönliche Erfahrungen, Tipps und Tricks einfließen zu lassen.
3. Welche Erfahrungen haben Sie am Weg zum Facharzt für Allgemeinchirurgie und Viszeralchirurgie mit Vorgesetzten und Kollegen (männlich wie weiblich) gemacht?
Zuerst einmal, dass ich nahezu immer männliche Vorgesetzte hatte, da die Allgemein- und Viszeralchirurgie weiterhin stark männlich dominiert ist. In kleineren Abteilungen, gerade in der Chirurgie, spielt häufig die persönliche Beziehung zu Vorgesetzten eine Rolle in Bezug auf den Schwierigkeitsgrad der Eingriffe, die man durchführen darf. Dies ist an größeren Kliniken, wie am Uniklinik um Salzburg, in denen die Ausbildung häufig strukturierter abläuft, nicht der Fall.
4. Wie ist Ihre Karriere verlaufen?
Nach meiner Facharztausbildung hatte ich das große Glück, mich in der Abteilung chirurgische Endoskopie und intraluminale Chirurgie (CEIC) an der Uniklinik für Chirurgie intensiv weiterbilden zu dürfen. Drei Jahre nach dem Facharzttitel folgte dann die Ernennung zum Oberarzt. In den letzten Jahren konnte ich auch meine wissenschaftliche Arbeit vertiefen und auf nationalen und internationalen Kongressen präsentieren.
5. Wie haben Sie es als Vater geschafft, Ihre medizinische Karriere zu organisieren?
Meine Frau ist ebenfalls Medizinerin und arbeitet im gleichen Beschäftigungsausmaß wie ich im angrenzenden Oberbayern in der Gynäkologie und Geburtshilfe. Wir haben 2 Kinder (11 und 8 Jahre). Beide Elternteile in einem operativen Fach ist natürlich, gerade wenn die Kinder noch kleiner sind, eine gewisse Herausforderung. Hier ist eine gute Kinderbetreuung mit langen Öffnungszeiten extrem wichtig. Im Privatleben haben wir das große Glück dass es ein ausgeprägtes gegenseitiges Verständnis gibt. Wir üben beide leidenschaftlich gerne unseren Beruf aus, genauso wollen wir uns beide gleichberechtigt um unsere Familie kümmern.
6. Wie wurden Sie als Vater von den Kolleginnen und Kollegen aufgenommen im Beruf?
Es ist nicht immer leicht, das traditionelle Rollenbild aufzubrechen. Man muss bereit, sein gelegentlich auch in unangenehmen Verhandlungen mit Vorgesetzten seinen Standpunkt zu vertreten. Letztendlich ließ sich jedoch immer eine für beide Seiten gangbare Lösung finden. Ich denke, dass die moderne Chirurgie flexible Arbeitszeiten, Teilzeit und alternative Arbeitsmodelle bieten muss, um weiterhin fähiges und motiviertes Personal zu finden.
1. Wie war Ihre Ausbildung zur Chirurgin?
Meine Ausbildung zur Chirurgin war intensiv, strukturiert und sehr praxisnah. Schon früh durfte ich operative Verantwortung übernehmen, habe viel gelernt und wurde fachlich wie menschlich gut auf die vielfältigen Anforderungen des chirurgischen Alltags vorbereitet.
2. Wurden Sie von Vorgesetzten/Mentoren gefördert und wenn ja, wie?
Ich hatte das Glück, von engagierten Vorgesetzten gefördert zu werden. Sie haben mir Vertrauen entgegengebracht, operative Möglichkeiten eröffnet, konstruktives Feedback gegeben und mich gezielt in meiner fachlichen Entwicklung unterstützt.
3. Welche Erfahrungen haben Sie am Weg zur Fachärztin mit Vorgesetzten und KollegInnen gemacht?
Überwiegend habe ich eine respektvolle und kollegiale Zusammenarbeit erlebt. Vorgesetzte wie KollegInnen – unabhängig vom Geschlecht – begegneten mir professionell und unterstützend. Mit zunehmender Erfahrung entwickelte sich die Zusammenarbeit immer mehr auf Augenhöhe.
4. Wie ist Ihre Karriere verlaufen?
Meine Karriere verlief kontinuierlich und zielgerichtet. Durch hohes persönliches Engagement, fachliche Weiterentwicklung und Offenheit für Verantwortung konnte ich Schritt für Schritt wachsen und mir eine erfüllende Position als leitende Oberärztin in der Chirurgie erarbeiten.
5. Wie haben Sie es als Mutter geschafft, Ihre medizinische Karriere zu organisieren?
Eine gute Organisation war entscheidend. Mein Ehemann hat viele familiäre Aufgaben übernommen und seine eigene Karriere bewusst zeitweise zurückgestellt. Diese partnerschaftliche Unterstützung machte meine chirurgische Laufbahn überhaupt erst möglich.
6. Wie wurden Sie als Mutter von den KollegInnen aufgenommen im Beruf?
Ich habe viel Verständnis und Unterstützung erfahren, was mir den Wiedereinstieg nach der Karenzzeit sehr erleichtert hat. Durch die tatkräftige Hilfe meines Partners war meine Mutterschaft im Berufsalltag allerdings auch kaum spürbar – ein Hinweis darauf, wie sehr Akzeptanz noch oft an traditionelle Rollenbilder gekoppelt ist.
1. Wie haben Sie Ihre Ausbildung zur Chirurgin damals erlebt?
Schon früh war für mich klar, dass ich Orthopädin werden möchte. Ich komme selbst aus dem Leistungssport und hatte daher immer großes Interesse daran, mich medizinisch mit sportlich aktiven Patientinnen und Patienten zu beschäftigen. Mir war natürlich bewusst, dass ich mich damit in ein Fach begebe, das traditionell eher eine männliche Domäne ist. Sorgen hatte ich deshalb allerdings nie. Für mich war immer klar, dass man sich in der Medizin – unabhängig vom Fach – vor allem durch eigenes Können, Engagement und Eigeninitiative behaupten muss.
Nach meinem Studium an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) habe ich meine Ausbildung am Uniklinik um Salzburg begonnen. Zunächst war ich als Turnusärztin auf der Chirurgie tätig, danach auf der Unfallchirurgie und schließlich auf der Orthopädie. Die Ausbildung habe ich als sehr intensiv und fordernd erlebt. Sie war geprägt von langen Arbeitszeiten, hoher Verantwortung und einer steilen Lernkurve. Gleichzeitig war es eine sehr prägende Zeit, in der ich viel praktische Erfahrung sammeln konnte. Gerade im operativen Fach lernt man vor allem durch praktische Tätigkeit und durch die Möglichkeit, Schritt für Schritt mehr Verantwortung zu übernehmen.
2. Wurden Sie während Ihrer Ausbildung von Vorgesetzten oder Mentoren gefördert? Wenn ja, auf welche Weise?
Ich hatte das große Glück, während meiner Ausbildung von vielen Vorgesetzten und Mentoren unterstützt zu werden. Besonders prägend waren dabei Prof. Magometschnigg, der damals ärztlicher Direktor des Uniklinik ums war, Prof. Resch, der damalige Leiter der Unfallchirurgie, sowie Prof. Dorn, der damalige Chef der Orthopädie und mein Mentor.
Sie haben mich sowohl organisatorisch als auch fachlich unterstützt und mir viele Möglichkeiten gegeben, mich weiterzuentwickeln. Gerade im chirurgischen Bereich ist es entscheidend, dass erfahrene Kolleginnen und Kollegen bereit sind, Wissen weiterzugeben und jungen Ärztinnen und Ärzten operative Möglichkeiten zu geben.
Auch während meiner Zeit in Linz wurde ich sehr unterstützt, insbesondere von Primar Hochreiter. Damals war ich die einzige Frau in der Abteilung, und zuvor hatte es dort auch noch keine gegeben. Anfangs waren einige Kollegen durchaus skeptisch, ob das im Arbeitsalltag funktionieren würde. Diese Skepsis hat sich jedoch sehr schnell gelegt, da wir fachlich sehr gut zusammengearbeitet haben und das kollegiale Miteinander sehr gut funktioniert hat.
3. Welche Erfahrungen haben Sie auf Ihrem Weg zur Fachärztin für Orthopädie und orthopädische Chirurgie mit Vorgesetzten und Kolleginnen bzw. Kollegen gemacht?
Meine Erfahrungen mit Vorgesetzten und Kolleginnen und Kollegen waren insgesamt sehr positiv. Ich habe die Zusammenarbeit immer als respektvoll erlebt. Für mich war dabei immer wichtig, mich aktiv einzubringen, Interesse am Fach zu zeigen und Eigeninitiative zu übernehmen.
Ich bin überzeugt, dass ein wesentlicher Faktor in der chirurgischen Ausbildung darin liegt, dass man selbst aktiv werden muss. Man kann nicht davon ausgehen, dass einem erfahrene Kolleginnen und Kollegen automatisch alles zeigen. Man muss Fragen stellen, Interesse zeigen und oft auch bereit sein, zusätzliche Zeit zu investieren, um besser zu werden. Wenn man dieses Engagement zeigt, wird einem in der Regel auch viel entgegengebracht – sowohl von männlichen als auch von weiblichen Kollegen.
4. Wie hat sich Ihr beruflicher Werdegang bzw. Ihre Karriere entwickelt?
Meine Ausbildung zur Fachärztin für Orthopädie und Traumatologie habe ich schließlich in Salzburg abgeschlossen. Im Jahr 2016 bin ich wieder nach Salzburg zurückgekehrt, als Prof. Freude die Leitung der Orthopädie und Traumatologie innehatte. Auch hier habe ich viel Unterstützung erfahren – sowohl von Prof. Freude selbst als auch von vielen Kolleginnen und Kollegen. Besonders hervorheben möchte ich dabei Dr. Klampfer, von dem ich operativ sehr viel lernen konnte, aber auch viele andere Kolleginnen und Kollegen, die mich unterstützt haben.
Im April 2017, hochschwanger mit meinem zweiten Kind, habe ich mich an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität habilitiert. Im Mai desselben Jahres wurde mein zweites Kind geboren. Seit dieser Zeit bin ich als Oberärztin an der Abteilung tätig. Zusätzlich habe ich neben meiner klinischen Tätigkeit eine eigene Ordination aufgebaut.
5. Wie ist es Ihnen gelungen, Mutterschaft und medizinische Karriere miteinander zu vereinbaren?
Ich habe zwei Söhne – einer wurde in Linz geboren, der andere in Salzburg – beide während meiner Ausbildungszeit. Da wir keine Familie vor Ort haben, die uns unterstützen konnte, war ich in der glücklichen Lage, die Kinderbetreuung privat organisieren zu können. Das ist jedoch ein Vorteil, den nicht alle Kolleginnen haben.
Nach der Geburt meines ersten Kindes bin ich nach etwa sechs Monaten wieder in den Beruf zurückgekehrt, nach der Geburt meines zweiten Kindes nach etwa einem Jahr. Gerade in einem operativen Fach stellt eine längere Unterbrechung eine Herausforderung dar, da man in dieser Zeit operative Routine verliert.
Ein weiteres Thema ist die Situation während der Schwangerschaft. In Österreich ist es häufig so geregelt, dass man ab Bekanntgabe der Schwangerschaft nicht mehr im Operationssaal tätig sein darf. Dadurch geht gerade in der Ausbildung wertvolle operative Erfahrung verloren.
Während meiner gesamten Ausbildungszeit habe ich trotz meiner Rolle als Mutter Vollzeit gearbeitet und mich im Team immer akzeptiert gefühlt. Dennoch entsteht durch die Anforderungen eines operativen Faches häufig ein Spannungsfeld zwischen Beruf und Familie. Arbeitszeiten sind oft wenig planbar, Operationen dauern länger oder verschieben sich. Dadurch entsteht als Mutter immer wieder das Gefühl, weder dem Beruf noch den eigenen Kindern vollständig gerecht zu werden, was nicht selten mit einem schlechten Gewissen gegenüber der Familie verbunden ist.
Ein großes strukturelles Thema ist die Kinderbetreuung. Die verfügbaren Betreuungsplätze sind häufig begrenzt, was für viele Ärztinnen eine große organisatorische Herausforderung darstellt – besonders wenn keine familiäre Unterstützung vor Ort vorhanden ist. Gerade weil immer mehr Frauen in chirurgischen Fächern tätig sind, wäre es aus meiner Sicht sehr wichtig, dass Kliniken und Institutionen hier stärker investieren und mehr Betreuungsplätze schaffen, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nachhaltig zu verbessern.
6. Wie wurden Sie als Mutter von Kolleginnen und Kollegen im beruflichen Umfeld wahrgenommen oder unterstützt?
Ich hatte persönlich nicht das Gefühl, dass ich als Mutter von meinen Kolleginnen und Kollegen anders – weder besser noch schlechter – akzeptiert wurde. Vielleicht hatte ich selbst manchmal das Gefühl, mich noch mehr engagieren zu müssen, um zu zeigen, dass Familie und Beruf gut miteinander vereinbar sind. Und da spielt natürlich auch das schlechte Gewissen, das einen immer plagt, entweder der Familie gegenüber oder der Arbeit und den Patienten gegenüber, eine große Rolle.
Meine grundsätzliche Einstellung zur Arbeit hat sich dadurch jedoch nicht verändert, und dementsprechend hat sich auch meine Stellung und Akzeptanz im Team nicht verändert.
Besonders hervorheben möchte ich, dass mich Prof. Freude zu jedem Zeitpunkt sehr unterstützt hat, vor allem was Arbeitszeiten und organisatorische Flexibilität betrifft. Diese Unterstützung war für mich sehr wertvoll.
Grundsätzlich gilt jedoch: Wenn man sich in einem operativen Fach behaupten möchte, braucht es Engagement und kontinuierliche Praxis. Um operative Fähigkeiten zu entwickeln und zu festigen, ist es wichtig, eine gewisse Frequenz an Fällen zu sehen und regelmäßig operativ tätig zu sein. Nur so kann man die nötige Routine und Sicherheit entwickeln. Dieses Prinzip gilt letztlich unabhängig davon, ob man Mutter ist oder nicht.
Wenn man als Frau in der Chirurgie Karriere machen will, sind die Chancen heute besser denn je, denn die Zukunft der Chirurgie ist weiblich, egal ob im angestellten als auch niedergelassenen Setting.
Noch ist die Chirurgie sehr geprägt von traditionellen Rollenbildern und großteils männlich dominiert. Obwohl heute bereits mehrheitlich Frauen Medizin studieren, sind sie in chirurgischen Fachrichtungen und vor allem in Führungspositionen weiterhin unterrepräsentiert. Fachlich gibt es dafür meist keinen Grund: Studien zeigen, dass Chirurginnen medizinisch exzellente Leistungen erbringen. Die entscheidenden Hürden liegen vielmehr in strukturellen Rahmenbedingungen.
Darunter versteht man nicht persönliche oder fachliche Schwächen, sondern Rahmenbedingungen im System, die den Zugang, die Entwicklung oder den Aufstieg erschweren. Im Kontext von Chirurginnen sind das zum Beispiel ungleiche Förderstrukturen, wenig flexible Arbeitsmodelle, fehlende Vorbilder, informelle Netzwerke oder Benachteiligungen bei Führungspositionen.
Im Vergleich der letzten zehn Jahre hat sich die Zahl der angestellten Chirurginnen in Salzburg mehr als verdoppelt. Auch im niedergelassenen Bereich steigt die Zahl der chirurgisch tätigen Ärztinnen stetig an, sowohl im Wahl- als auch kassenärztlichen Bereich, auch als Zeichen dafür, dass sich Karrieren in der Chirurgie in mehreren Bereiche „abspielen“ können.
Meine chirurgischen Erfahrungen im Spital:
Meine chirurgische Laufbahn begann 1999, damals in einem sehr überschaubaren Team junger Fachärzte und Ausbildungsassistenten, zu Beginn waren wir nur zwei Frauen im Team. Nach Fusion der beiden chirurgischen Abteilungen und Übersiedelung in die Chirurgie West vergrößerte sich naturgemäß das Team, die Zahl der Chirurginnen blieb jedoch weiterhin unterrepräsentiert.
Da bis dato das Thema Schwangerschaft und Kinderplanung bei Frauen auf der Chirurgie und den damit verbundenen arbeitsrechtlichen Bedingungen nicht evident war, wurde darüber auch nicht viel geredet. Das damals bestehende Arbeitszeitgesetz wurde situationselastisch ausgelegt, eine Woche hatte gut 60 bis 80 Arbeitsstunden, vor allem in Kombination mit dem Wochenenddienst, diskriminierende Erfahrungen und unterschwellige Bemerkungen waren präsent, wurden zumeist „runtergeschluckt“ und nur manchmal angesprochen. Trotzdem herrschten ein guter Teamspirit und Förderung unter der Kollegenschaft.
Teilzeitarbeit war unvorstellbar, immerhin waren die Ausbildungsverträge befristet, pekuniäre Einbußen bei frühzeitiger Bekanntgabe der Schwangerschaft mussten einkalkuliert werden. Die betriebliche Kinderbetreuung war für die Ärzteschaft nicht vorgesehen, ein externes gut organisiertes soziales Netzwerk unumgänglich.
Insofern hat sich in den letzten 25 Jahren in der Möglichkeit, als Frau und /oder Mutter in einem chirurgischen Fach tätig zu sein, einiges getan. Schon alleine durch Teilzeitarbeitsmöglichkeiten, Arbeitszeitgesetz, Fördermöglichkeiten bei Rückkehr aus der Elternteilzeit machen es möglich, mit Familie eine chirurgische Ausbildung zu absolvieren bzw. auszuüben. Auch im niedergelassenen Bereich erweitert sich die Möglichkeit, die chirurgische Karriere weiter voranzutreiben. Durch die Bildung von größeren Ordinationseinheiten mit Vertretungs- und Teilzeitarbeitsmöglichkeit als auch der berufliche Einstieg in Vollzeit in die Form von Gruppenpraxen erweitert das Spektrum einer chirurgischen Karriere im niedergelassenen Bereich.
Den Schritt in die Niederlassung beschloss ich mit der erhaltenden Gelegenheit und dem Angebot, eine bestehende Kassenpraxis zu übernehmen. Damals wie heute gibt es eine sehr begrenzte Anzahl an Ordinationen mit Kassenvertrag, die zumeist nur spärlich zur Neubesetzung ausgeschrieben werden. Die Vorteile der Kassenstelle mit finanzieller als auch struktureller Sicherheit verbunden mit planbarer Arbeitszeit, hohem Verantwortungsbewusstsein und dem Reiz des Unternehmertums standen damals über der weiteren Karriereplanung im Spitalsumfeld. Vor allem die planbare Vereinbarkeit mit der Familie bestätigten den Schritt raus aus dem Krankenhaus.
Eine anfängliche Hürde war, und das war mir als junge Fachärztin nicht bewusst, die Notwendigkeit der Eintragung in die Reihungsliste der Ärztekammer, um eine sogenannte Kassenpraxis zu erhalten, die einem Punkteschema mit zeitlichen als auch fachlichen Kriterien unterworfen ist. Wer sich eine Karriere auch außerhalb des Krankenhauses vorstellen kann, ist gut beraten, sich frühzeitig bei der Ärztekammer als Standesvertretung zu informieren, um eine Karriereplanung in diesem Bereich zu ermöglichen.