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Wie geht es Ihnen, Frau und Herr Doktor? - Teil 2

Teil 2 von 2: Vor über drei Jahren stellten wir in der Serie „Formen ärztlicher Kooperation“ verschiedene Praxismodelle im niedergelassenen Bereich und Ärzteteams vor, die in ihnen arbeiten. Heute fragen wir, wie ihnen die Zusammenarbeit gefällt, und vor allem, wie sie gelingt.

Von Mag. Christoph Schwalb | med.ium 3+4/2026

Die Formen ärztlicher Zusammenarbeit haben die Ordinationslandschaft spürbar verändert, seit vor über einem Jahrzehnt der Gruppenpraxen-Gesamtvertrag abgeschlossen wurde (2013). Hinzugekommen sind seitdem eine Reihe weiterer Möglichkeiten, mit einem oder mehreren ArztkollegInnen unter einem Dach medizinisch zusammenzuarbeiten.

In unserer Serie „Formen ärztlicher Kooperation“ haben wir vor über drei Jahren im med.ium (Ausgaben 10-12/2022 bis 5+6/2023) ausführlich über die verschiedenen Zusammenarbeitsformen berichtet. Zu jeder einzelnen haben wir Ärztinnen und Ärzte zu Wort kommen lassen, wie und warum sie sich gerade für diese Art des medizinischen Wirkens im niedergelassenen Bereich entschieden haben.

Nach dieser längeren Zeit haben wir mehrere Ärztinnen und Ärzte von damals nochmals um ihre Erfahrung und Eindrücke gefragt, wie es ihnen seitdem ergangen ist. Welche Herausforderungen aber auch Chancen sich ergeben haben und welche Rahmenbedingungen sie gegebenenfalls ändern würden.

Anstellung von ÄrztInnen

Dr. Andreas Vasold, ngl. Facharzt für Allgemein- und Familienmedizin, Altenmarkt/Pongau

„Unsere Patient:Innen profitieren vor allem von mehr Zeit“

Dr. Andreas Vasold, niedergelassener Facharzt für Allgemein- und Familienmedizin, betreibt eine Ordination in Altenmarkt im Pongau. Seit November hat er aktuell wieder eine Ärztin angestellt.

med.ium: Wie ist es Ihnen seither ergangen mit Ihrer Form der ärztlichen Zusammenarbeit? Und wie geht es Ihnen jetzt?
Seit 2022 nutze ich die Möglichkeit zur Anstellung von KollegInnen, ich kann auf eine sehr positive Zeit zurückblicken und möchte diese Form der Zusammenarbeit nicht mehr missen.

med.ium: Welche Herausforderungen und welche Chancen haben sich ergeben?
Für angestellte Ärzt:Innen bietet sich die Chance auf ein sicheres und attraktives Arbeitsverhältnis mit verlässlichen Rahmenbedingungen, ohne die Verpflichtungen eines eigenen Kassenvertrages. Weiters besteht die Möglichkeit, über Modelle wie Umsatzbeteiligungen zusätzliche Entwicklungsperspektiven zu schaffen – bei geregelten familien- und hobbyfreundlichen Arbeitszeiten.
Eine Herausforderung in letzter Zeit ist sicherlich, passende Ärzt:Innen zu finden, ich führe das zum einen auf den allseits gegenwärtigen Ärztemangel aber auch auf die neue verlängerte Ausbildung zum Allgemeinmediziner zurück. 

med.ium: Was würden Sie ändern?
Die neue Ausbildung zum Arzt für Allgemeinmedizin mit 5 Jahren dauert zu lange und wird die personelle Situation aggravieren. Auch das Führen einer Lehrpraxis wird aufgrund der steigenden Kosten leider unattraktiver, hier geht die Entwicklung sicher in die falsche Richtung. 

„Wir konnten die Arbeitsbedingungen deutlich verbessern – das Arbeiten macht noch mehr Freude, die Wertschätzung durch die PatientInnen ist spürbar.“

med.ium: Wie zufrieden sind Ihre Patientinnen und Patienten?
Unsere Patient:Innen profitieren vor allem von mehr Zeit, einer höheren Gesprächsqualität und einer verbesserten Erreichbarkeit, Wartezeiten werden reduziert, wir haben mehr Kapazitäten und ungeplante Akutfälle können wir gut unterbringen, wir bekommen durchwegs positive Rückmeldungen. 

med.ium: Was hat sich in der Zwischenzeit getan und ggf. verändert?
Mit der Weiterentwicklung der Zusammenarbeit und Anpassung der Praxisstruktur konnten wir die Arbeitsbedingungen deutlich verbessern – das Arbeiten macht noch mehr Freude, die Wertschätzung durch die Patient:Innen ist spürbar und kommt im Team an, dieses Konzept möchte ich auch in Zukunft weiter ausbauen und vertiefen.

Dr. Stefan König, niedergelassener Arzt für Allgemeinmedizin in Salzburg

"Meine Entscheidung, die Ordination um eine angestellte Ärztin zu erweitern, möchte ich keinesfalls missen."

Dr. Stefan König, niedergelassener Arzt für Allgemeinmedizin in Salzburg, hat vor über fünf Jahren seine Frau in seiner Ordination angestellt. Aufgrund der zunehmenden Arbeitsbelastung (teilweise auch COVID-bedingt) und steigender Bürokratie wird er durch sie entlastet und kann ärztliche Tätigkeiten besser aufteilen. Dies kommt vor allem auch den Patienten zu Gute.

med.ium: Wie ist es Ihnen seither ergangen mit Ihrer Form der ärztlichen Zusammenarbeit? Und wie geht es Ihnen jetzt?
Meine Entscheidung, die Ordination um eine angestellte Ärztin zu erweitern, möchte ich keinesfalls missen. Da es sich noch dazu um meine Frau handelt, ist mir die Entscheidung viel leichter gefallen. 

med.ium: Welche Herausforderungen und welche Chancen haben sich ergeben?
Die größte Herausforderung dieser Art der Zusammenarbeit ist mit Sicherheit der wirtschaftliche Aspekt. Aufgrund der allbekannten Honorardeckelungen ist eine Anstellung im Rahmen eines einzelnen Kassenvertrages aus wirtschaftlicher Sicht leider nicht rentabel. 

med.ium: Was würden Sie ändern?
Im Sinne einer leistungsorientierten finanziellen Abgeltung gehören sämtliche Deckelungen und Degressionen von Honorarleistungen endlich aufgehoben. Nur so lassen sich Einzelordinationen mit angestellten Ärzten (ohne PVE-Status) wirtschaftlich positiv weiterentwickeln.

med.ium: Wie zufrieden sind Ihre Patientinnen und Patienten?
Patientenanstürme, vor allem in der Infektzeit, können so besser bewältigt werden. 

med.ium: Was hat sich in der Zwischenzeit getan und ggf. verändert?
Jedenfalls positiv sehe ich die deutlich mehr werdenden Optionen der ärztlichen Zusammenarbeit. Ein Wegfall der Deckelungen würde diese neuen Alternativen für uns Ärzte deutlich attraktiver machen. 

Fachärztinnen für Psychiatrie Dr.in Stefanie Weber und Dr.in Barbara Vock

Die erste Gruppenpraxis für Psychiatrie in Salzburg

Die Fachärztinnen für Psychiatrie Dr.in Stefanie Weber und Dr.in Barbara Vock führen seit 2022 gemeinsam die erste Gruppenpraxis für Psychiatrie in Salzburg Stadt. 

„Frau Dr. Vock und ich haben die Gründung unserer Gruppenpraxis nie bereut. Im Gegenteil: Wir schätzen die Zusammenarbeit sehr und profitieren tagtäglich davon. Wenn man uns fragt, ob wir heute etwas anders machen würden, fällt die Antwort eindeutig aus – wir wüssten nicht, was wir an dieser Form der Zusammenarbeit ändern sollten." 

(Fachärztin für Psychiatrie Dr.in Stefanie Weber)

 

Faktencheck zu „Honorardeckelungen“

Salzburg hat wesentliche Verbesserungen bei den Honorarbeschränkungen (Deckel) erreicht:

  • Erhöhung der Fallstaffelung in Kombination mit Öffnungszeiten.
  • Öffnung der Position 051: Einzigartig in ganz Österreich und zusätzlich geöffnet für Kooperationsformen (Anstellung, Jobsharing, Übergabepraxis).
  • Erhöhung der Fallstaffelung über Anstellung und Jobsharing.
  • Die Ärztekammer arbeitet weiter an der Präzisierung bzw. Abschwächung von Degressionsregelungen.
  • Keine Deckelungen bei Visiten bei gleichzeitiger Erhöhung der Tarife z.B. „Visite im Altersheim“ um 40%. 

Bei allen Fragen zu Leistungskatalogen und Kooperationsformen wenden Sie sich bitte an die Kurie niedergelassene Ärzte in der Ärztekammer für Salzburg: www.aeksbg.at/kooperationsformen

Mehr Info:

Kooperationsformen im Überblick: www.aeksbg.at/kooperationsformen

Teil 1 lesen Sie hier: Wie geht es Ihnen, Frau und Herr Doktor? - Teil 1