Von Dr. Jan Schirnhofer | med.ium 5+6/2026
Akute abdominelle Schmerzen treten häufig plötzlich auf und können von Übelkeit, Erbrechen, Fieber, Meteorismus oder Kreislaufstörungen begleitet sein. Das Spektrum der Differenzialdiagnosen reicht von funktionellen Beschwerden bis hin zu akuten chirurgischen Notfällen. Zu den häufigsten chirurgischen Ursachen zählen die akute Appendizitis, akute Cholezystitis, Divertikulitis, mechanischer Ileus, perforierte Hohlorganprozesse sowie eingeklemmte Hernien. Darüber hinaus müssen vaskuläre Notfälle wie die mesenteriale Ischämie oder das rupturierte Bauchaortenaneurysma ausgeschlossen werden. Zusätzlich sind internistische, urologische und gynäkologische Differenzialdiagnosen wie Herzinfarkt, Nierenkolik oder Extrauteringravidität zu berücksichtigen, wodurch eine interdisziplinäre Abklärung erforderlich wird. Auch darf die psychische Komponente nicht vernachlässigt werden, wo Bauchschmerzen ohne eindeutiger organischer Ursache diagnostiziert werden.
Die anamnestische Erhebung und die klinische Untersuchung bilden die Grundlage der chirurgischen Beurteilung. Lokalisation, Charakter und Verlauf der Schmerzen sowie Begleitsymptome liefern erste Hinweise. Rechtsseitige Unterbauchschmerzen sprechen etwa für eine Appendizitis, während kolikartige Oberbauchschmerzen eher an eine biliäre Genese denken lassen. Klinische Alarmzeichen wie Abwehrspannung, Loslassschmerz, Fieber, Tachykardie oder hämodynamische Instabilität erfordern eine umgehende weiterführende Diagnostik und gelten als Indikator für eine rasche chirurgische Einbindung.
Die apparative Abklärung umfasst laborchemische Parameter sowie bildgebende Verfahren. Die Sonographie ist aufgrund ihrer Verfügbarkeit und fehlender Strahlenbelastung häufig die primäre Bildgebung und wird zur initialen Abklärung akuter Bauchschmerzen eingesetzt. Ergänzend kommt die Computertomographie zum Einsatz, insbesondere zur sicheren Detektion chirurgisch relevanter Pathologien und zur Abgrenzung konservativ behandelbarer Ursachen. In ausgewählten Situationen, etwa bei Schwangeren oder bei unklaren Befunden, wird die Magnetresonanztomographie eingesetzt.
Besonders relevant ist die frühzeitige Identifikation von Patientinnen und Patienten mit einer Operationsindikation. Eine verzögerte Diagnosestellung erhöht das Risiko für Komplikationen wie Sepsis, Darmischämie oder Perforation deutlich; daher wird eine konsequente Eskalation bei Verdacht auf akutes Abdomen empfohlen. Insbesondere bei geriatrischen, immunsupprimierten oder diabetischen Personen können Symptome atypisch oder abgeschwächt sein, wodurch gefährliche Verläufe initial unterschätzt werden.
Die Therapie richtet sich nach der zugrunde liegenden Ätiologie. Während einzelne Differenzialdiagnosen konservativ behandelt werden können, ist bei entzündlichen, obstruktiven oder perforativen Prozessen häufig eine operative Intervention erforderlich. Minimal-invasive Verfahren haben sich in vielen Fällen als schonende und effektive Therapieoption etabliert; die Entscheidung zur chirurgischen Therapie erfolgt nach klinischen Befunden, Laborergebnissen, radiologischen Befunden sowie Empfehlungen aus den aktuellen chirurgischen Leitlinien.