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Erfolgreiche Sternstunden: „Die Stunde der Ärztinnen“

Spannende Impulsvorträge hochrangiger und verdienstvoller Ärztinnen über ihre erfolgreichen Karrierewege in der Medizin.

Von Mag. Christoph Schwalb | med.ium 3+4/2026

Dem Fixstern am Firmament der medizinischen Abendfortbildung und Vernetzung, den „Sternstunden der Medizin“, gefolgt sind zahlreiche Ärztinnen und Ärzte, zu dem alljährlich die Gesellschaft der Salzburger
Ärztinnen und Ärzte am 4. Februar 2026 eingeladen hat, zusammen mit der Ärztekammer für Salzburg. 

Thema heuer: „Die Stunde der Ärztinnen“

Die Medizin von heute ist weiblich, denn Ärztinnen stellen mittlerweile die Mehrheit der in Österreich tätigen Ärzteschaft. Diesem Wandel widmete sich die Veranstaltung mit Impulsvorträgen und Podiumsdiskussion einer ganzen Reihe erfolgreicher und verantwortungsvoller Medizinerinnen. 

Sieben hochrangige und verdienstvolle Referentinnen schilderten ihre Karrieren in der Medizin, darunter die neue PMU-Rektorin Assoz.-Prof.in Priv.-Doz.in Dr.in Annemarie Weißenbacher, Priv.-Doz. in Dr.in Manuela Pilz (Chirurgin & Leitende OÄ für Ausbildung und Lehre) und Assoz.-Prof.in Dr.in Rosemarie Forstner, „Gold Medallist“-Trägerin der European Society of Radiology. 

In seiner Eröffnungsrede plädierte ÄK-Präsident Dr. Matthias Vavrovsky dafür, Ärztinnen die entsprechende Gewichtung zu geben. Durch den Abend führten PMU-Vorständin Univ.-Prof.in Dr.in Maria Flamm und Dr. Klaus Kubin, MBA, Fortbildungsreferent und Obmann- Stv. der Kurie niedergelassene Ärzte. 

„Geht’s der Gesundheit gut, geht’s der Wirtschaft gut.“ (Dr.in Annemarie Weißenbacher) 

PMU-Rektorin Dr.in Annemarie Weißenbacher gelang eine rasante Karriere und ist international anerkannt in der Transplantationsmedizin. Am prägendsten für sie war die offene Willkommenskultur während ihres vierjährigen Studiums in Oxford (UK) und der gemeinsame Leistungswille dort. Sie ist fest davon überzeugt, dass es in der Zukunft der Medizin Normalzustand werden wird, dass Frauen wie Männer Hand in Hand arbeiten. Für den Standort Salzburg ist sie gewillt, viel zu tun, so Dr.in Weißenbacher. 

„Professionelle Vielfalt und Perspektiven in der Medizin sind ein Gewinn für alle.“ (MR Dr.in Barbara Vockner) 

MR Dr.in Barbara Vockner ist PVE-Leiterin in Innergebirg (Pinzgau), Ausbildnerin und Vorreiterin auf dem Gebiet der Gruppenpraxisgründung. Bereits 1995 betrieb sie eine Wahlarztordination und eröffnete 2015 die erste Gruppenpraxis (Primärversorgungseinheit, PVE) mit zwei Kassenstellen im Pinzgau. 2021 folgte mit mehreren männlichen wie weiblichen MitgesellschafterInnen die multiprofessionelle PVE Saalfelden. Ein sich abzeichnender Trend sei, dass weniger Männer die Ausbildung zum Facharzt für Allgemein- und Familienmedizin machten und stattdessen eher ins Krankenhaus und in technische Fächer gingen. Gerade deshalb seien
Frauen für die Weiterentwicklung in der Medizin wichtig, erklärte die Fachärztin für Allgemein- und Familienmedizin. 

Während zu ihrer Ausbildungszeit in den 1980ern der Frauenanteil in der Medizin nur 20 Prozent betrug, liegt er heute beiüber 60 Prozent. Sie stellte fest, dass zahlreiche Kolleginnen nach einer familienbedingten Pause nicht wieder im medizinischen Beruf tätig wurden. Vockner selbst fand aufgrund ihrer Kinder in die – seinerzeit sehr männlich dominierte – Niederlassung, statt einer Facharztausbildung im Krankenhaus. Professionelle Vielfalt und männliche wie weibliche Perspektiven in der Medizin sind ein Gewinn für alle, verdeutlichte sie. 

„Die Chirurgie kann in Zukunft auf weibliche Kompetenz nicht verzichten.“ (Dr.in Manuela Pilz)

Priv.-Doz.in Dr.in Manuela Pilz, Chirurgin & Leitende OÄ für Ausbildung und Lehre mit Schwerpunkt AssistenzärztInnen, plädierte dafür, verschiedene Arbeitsmodelle zu ermöglichen. Gerade im Bereich von OPs, deren Planung durch Teilzeit komplexer wird, sei ein verlässliches Teaching vonnöten und somit eine Frage der Strukturierung. Gut ausgebildete Frauen verließen häufig die Chirurgie, weil sie nicht mit der Familie vereinbar sei, so Dr.in Pilz. Die Chirurgie kann auch in Zukunft nicht auf weibliche Kompetenz verzichten, deshalb gelte es, Fortschritte zu ermöglichen und nicht sie erkämpfen zu müssen.

Dr.in Pilz glaubt, der wesentliche Faktor wird sein, dass man die Anforderungen für das Facharztprofil klar runterbricht, vor allem für die chirurgische Ausbildung. Die einzelnen Ausbildungsoperationen nach Schwierigkeitsstand aufschlüsselt und entsprechend die Assistenzärztinnen und -ärzte zuweist. So dass jeder für seinen Ausbildungsstand entsprechend die Operationen auch abbilden kann im Katalog. Das würde sicherlich für große Zufriedenheit sorgen unter den chirurgischen Assistenzärztinnen und Assistenzärzten, weil das Operieren einfach wichtig sei, so die Chirurgin. 

Dass jeder noch so kleine Eingriff gelehrt werde oder, wenn der Assistenzarzt, die Assistenzärztin noch nicht so weit ist in der Ausbildung, man Teile von der Operation unterrichte und jeder was für seine Ausbildung davon mitnehmen könne, quasi aufgesplittet. „Man kann aus jeder noch so kleinen oder großen Operation fürs Teaching einen Nutzen ziehen“, so Dr.in Pilz. 

Dr.in Katrin Mayrhofer ist Wahlärztin für Gynäkologie im Pongau und bestätigte, dass auch auf diesem Gebiet in der Niederlassung inzwischen mehr Frauen als Männer tätig seien. Die Vereinbarkeit von Familie und Karriere sei nach wie vor sehr schwer, sagte Mayrhofer, die nach der Karenz wieder in Vollzeit arbeiten musste und deren Mann für sie beruflich zurückgesteckt hat. Wendepunkt und zugleich Grund für die Arbeit in ihrer
Wahlarztpraxis sei definitiv die Geburt ihrer Kinder gewesen, erzählte die Gynäkologin, die auch schon im Krankenhaus gearbeitet hat. Sie kenne beide Seiten und deshalb sei eine gute Kommunikation und ein fehlerfreier Informationsfluss zwischen intramural und extramural wichtig, so Dr.in Mayrhofer. 

Zusammenarbeitsformen auch finanziell attraktiver gestalten – eine große Bereicherung für alle

Mag.ª Dr.in Silvia Lechner, Geschäftsführung der Salzburger Landeskliniken, wies darauf hin, dass es vor allem auf Seiten des Managements von Einrichtungen im Gesundheitsbereich oberste Priorität haben sollte, moderne und flexible Arbeitszeit- und Gehaltsmodelle anzubieten, um auch in Zukunft ein attraktiver und zukunftsgewandter Arbeitgeber für medizinisches Personal zu sein. 

Dr.in Katharina Gordon-Lindenthaler, Orthopädin mit Kassenvertrag in Salzburg, hat einen bewegenden Karriereweg hinter sich, dank ihrer Mentoren, wie sie sagte. Zuerst gefiel ihr die Chirurgie, bekam bald darauf
allerdings die Anfrage, als Turnusärztevertreterin und später dann als Kurien- und Bundeskurien-Stellvertreterin zu wirken. Nach der Ausbildung zur Fachärztin und Oberärztin betrieb sie eine Wahlarztordination, dann eine Gruppenpraxis mit einer Kollegin und führte Flugtauglichkeitsuntersuchungen durch. Vier Wochen nach der Geburt ihres Kindes holte sie eine externe Vertretung in die Gruppenpraxis und arbeitete wieder, bis sie die Gruppenpraxis letzten Endes wieder auflöste. 

Der größte Handlungsbedarf für die Ärztekammer heutzutage sei, die regionalen Strukturen zu stärken, beharrlich zu bleiben und nichts persönlich zu nehmen, hob die frühere Funktionärin hervor. Zusammen mit Präsident Dr. Vavrovsky forderte sie, zeitgemäße Zusammenarbeitsformen weiterhin auch finanziell attraktiver zu gestalten, für Frauen wie für Männer. Denn nur, wenn es für alle Seiten passe, sei es für alle eine große Bereicherung.

„In Partnerschaften gemeinsam nach vorne zu schauen, viele Kurse des Arbeitgebers zu machen und diese Potenziale zu nutzen, legte sie den Zuhörenden nahe.“

Zu guter Letzt trat die habilitierte Radiologin Assoz.-Prof.in Priv.-Doz.in Dr.in Rosemarie Forstner auf und schilderte ihre beeindruckende Laufbahn als Medizinerin und Forscherin. Sie war langjährige erste und leitende Oberärztin am Institut für Radiologie des Uniklinikums Salzburg und machte Karriere im Krankenhaus und in der Forschung. Wichtig dafür sei es, sich Ziele zu setzen und zu verfolgen. In Partnerschaften gemeinsam nach vorne zu schauen, viele Kurse des Arbeitgebers zu machen und diese Potenziale zu nutzen, legte sie den Zuhörenden nahe. 

Als Veranstaltungsort diente wie jedes Jahr der imposante Autopalast der Georg Pappas Automobil GmbH am Salzburger Flughafen. Nach den hochinteressanten fachlichen Einblicken der Vortragenden ließ die
Ärzteschaft den Abend bei persönlich-kollegialen Gesprächen ausklingen.

Stimmen

Assoz.-Prof.in Priv.-Doz.in Dr.in Annemarie Weißenbacher – Rektorin PMU

„Die Sternstunden der Medizin haben mir sehr gut gefallen. Ich finde es sehr positiv, dass man in so einem absolut neutralen Environment einfach ein Format unterschiedlicher Disziplinen in der Medizin zusammenbringt. Ob das jetzt der niedergelassene Bereich ist, der angestellte Bereich, die universitäre Seite oder auch die Geschäftsführungsseite vom Krankenhaus. Es ist wichtig, weil man es von unterschiedlichen Seiten beleuchten muss. Ich glaube, Sternstunden entstehen gerade durch diese Multidisziplinarität. Unabhängig davon ist es gut, wenn einmal sieben Frauen am Podium sitzen, das muss ganz normal werden. Das ergibt sich wertschätzend daraus, dass man die kompetenteste Person, die man zu dem Thema in Salzburg hat, einlädt. Das ist ein wichtiges und positives Zeichen.“

MR Dr.in Barbara Vockner – Leiterin PVE, Innergebirg

„Ja, es war eine sehr heterogene Betrachtungsweise, Sternstunden vor allen Dingen auch der Frauen in der Medizin. Das zu beleuchten, finde ich ganz großartig und ich gehe jetzt auch mit vielen Inputs und neuen Erfahrungen nach Hause. Die intramurale Medizin und die extramurale Medizin haben über viele Jahre ein gewisses Konkurrenzverhalten gepflegt. Ich denke, die Brücken, die da zu bauen sind, und die gegenseitige Wertschätzung, die Konnektivität, die Vernetzung sind total wichtig. Diese Veranstaltung trägt einfach wunderbar dazu bei.“

Priv.-Doz.in Dr. in Manuela Pilz – Chirurgin & Leitende OÄ für Ausbildung und Lehre 

„Die Sternstunden haben mir grundsätzlich sehr gut gefallen. Ich finde, die vielen unterschiedlichen Blickwinkel haben ein sehr rundes Bild ergeben, wie Frauen in der Medizin in Zukunft tätig sein können. Und dass strukturelle Veränderungen auch unabhängig vom Geschlecht allen zugutekommen werden. Das ist ein schöner Aspekt, den man da mitnehmen kann.“ 

Dr.in Katharina Gordon-Lindenthaler – Orthopädin mit Kassenvertrag, Stadt Salzburg

„Es war sehr schön, auch im Auditorium sehr viele bekannte Gesichter zu treffen. Das gemischte Auditorium hat, einen besonderen Charme gehabt, weil aus allen Ecken der Medizin sehr persönliche Einblicke gezeigt worden sind. Wir Referentinnen waren gespannt, wie der Abend verlaufen würde, denn keine von uns ist nur wegen ihres Geschlechts in ihrem Beruf oder an ihrer Position. Es war ein bereichernder Abend und es ist immer schön, alle Kolleginnen und Kollegen hier zu treffen, weil es genau diese Netzveranstaltungen ausmachen. Auch in der Zusammenarbeit der Niederlassung und im Spital, weil man sich hier trifft und einfach leichter tut, wieder Kontakt aufzunehmen.“

Mag.ª Dr.in Silvia Lechner, Geschäftsführung der Salzburger Landeskliniken 

„Es war ein mitreißender Abend, der die beeindruckende Präsenz und Gestaltungskraft von Frauen in der Medizin und im Gesundheitsmanagement direkt erlebbar gemacht hat. Die Impulse haben gezeigt, wie souverän und innovativ Expertinnen heute Spitzenpositionen besetzen und die Richtung für die Zukunft vorgeben. Ein echtes Highlight, das die geballte Expertise im Raum spürbar machte und den gemeinsamen Weg nach vorne kraftvoll untermauert.“