Von Dr. med. Florian Hofmann | med.ium 7+8/2026
Verbesserte Endoskope, hochauflösende Optiken und spezialisierte Instrumente ermöglichen heute Eingriffe mit minimalem Weichteiltrauma bei gleichzeitig hoher Präzision. Zahlreiche aktuelle Studien zeigen, dass endoskopische Verfahren hinsichtlich Schmerzreduktion und funktionellem Ergebnis der mikrochirurgischen Technik ebenbürtig sind, gleichzeitig jedoch Vorteile hinsichtlich postoperativer Schmerzen, Krankenhausaufenthalt und Rehabilitation bieten.
Grundsätzlich werden monoportale und biportale endoskopische Verfahren unterschieden. Die Wahl der Technik richtet sich nach Lokalisation und Ausdehnung der Pathologie sowie nach der Erfahrung des Operateurs.
Die monoportale transforaminale Technik stellt insbesondere bei intraforaminalen und extraforaminalen Bandscheibenvorfällen der Lendenwirbelsäule die Methode der Wahl dar. Der Zugang erfolgt über das Neuroforamen unter kontinuierlicher endoskopischer Sicht. Dadurch können die austretende Nervenwurzel und der Bandscheibenvorfall direkt dargestellt werden, ohne dass eine relevante Ablösung der paraspinalen Muskulatur oder ausgedehnte knöcherne Resektionen erforderlich sind. Gerade foraminale Hernien, die mikrochirurgisch häufig nur unter Teilresektion des Facettengelenks erreichbar sind, lassen sich endoskopisch gewebeschonend entfernen. Die geringe Traumatisierung führt zu reduzierten postoperativen Schmerzen und einer raschen Mobilisation.
Für mediane und mediolaterale Bandscheibenvorfälle auf Höhe L5/S1 eignet sich besonders die monoportale interlaminäre Technik. Das anatomisch große interlaminäre Fenster ermöglicht einen direkten Zugang zum Spinalkanal und zur betroffenen Nervenwurzel. Der Eingriff ist technisch vergleichsweise einfach und erlaubt eine vollständige Entfernung sequestrierter Bandscheibenanteile unter hervorragender Sicht. Auch kranial oder kaudal migrierte Fragmente können in erfahrenen Händen sicher erreicht werden. Die interlaminäre Technik stellt daher insbesondere auf Höhe L5/S1 eine effiziente Alternative zur konventionellen mikrochirurgischen Diskektomie dar.
Mit zunehmender Erfahrung wurden die Indikationen der Endoskopie erheblich erweitert. Insbesondere bei komplexeren Bandscheibenvorfällen sowie degenerativen Spinalkanalstenosen bietet die biportale Endoskopie wesentliche Vorteile. Bei diesem Verfahren werden Optik und Arbeitsinstrumente über zwei getrennte Zugänge eingebracht. Dadurch entsteht eine deutlich größere Bewegungsfreiheit der Instrumente sowie ein erweitertes Operationsfeld. Die Technik ähnelt in ihrer Anatomie der offenen mikrochirurgischen Dekompression, erlaubt jedoch eine wesentlich geringere Weichteilschädigung.
Die biportale Technik eignet sich besonders zur Dekompression zentraler und lateraler Spinalkanalstenosen, bei kombiniert knöchernen und ligamentären Einengungen sowie bei Revisionseingriffen. Auch bilaterale Dekompressionen können über einen einseitigen Zugang durchgeführt werden. Durch die verbesserte Übersicht lassen sich Hypertrophien des Ligamentum flavum, Facettenzysten und knöcherne Anbauten sicher entfernen, während Stabilität und Muskulatur weitgehend erhalten bleiben.
Auch an der Halswirbelsäule gewinnt die Endoskopie zunehmend an Bedeutung. Vor allem dorsale endoskopische Foraminotomien ermöglichen bei lateralen Bandscheibenvorfällen und foraminalen Stenosen eine effektive Nervenwurzeldekompression unter Erhalt der Beweglichkeit. Im Vergleich zu ventralen Fusionen können segmentale Beweglichkeit und angrenzende Bandscheiben geschont werden. Voraussetzung ist jedoch eine sorgfältige Patientenselektion sowie eine ausreichende chirurgische Erfahrung.
Ein wesentlicher Vorteil sämtlicher endoskopischer Verfahren liegt in der minimalen Gewebetraumatisierung. Die paraspinale Muskulatur bleibt nahezu vollständig erhalten, der Blutverlust ist gering und postoperative Schmerzen fallen deutlich niedriger aus. Dadurch können Patienten meist bereits wenige Stunden nach dem Eingriff mobilisiert werden. Krankenhausaufenthalt und Arbeitsunfähigkeit verkürzen sich erheblich, wodurch eine schnellere Wiedereingliederung in Alltag und Beruf erreicht wird. Gleichzeitig zeigen große Fallserien sehr niedrige Infektionsraten von deutlich unter einem Prozent. Auch Narbenbildung und epidurale Fibrosen treten seltener auf als nach offenen Verfahren.
Die aktuelle Literatur bestätigt die Gleichwertigkeit der endoskopischen Verfahren hinsichtlich klinischer Ergebnisse gegenüber der mikrochirurgischen Standardoperation. Bei richtiger Indikationsstellung profitieren Patienten jedoch von einer schnelleren Rehabilitation, geringerem Analgetikabedarf und einer höheren Zufriedenheit.
Die monoportale transforaminale Technik bleibt die optimale Methode für intra- und extraforaminale Bandscheibenvorfälle, während die interlaminäre Technik insbesondere bei L5/S1 technisch einfach und äußerst effektiv ist. Für komplexe Dekompressionen und Spinalkanalstenosen bietet die biportale Endoskopie aufgrund der besseren Übersicht und Instrumentenführung entscheidende Vorteile. Mit zunehmender Erfahrung und technischer Weiterentwicklung wird die vollendoskopische Wirbelsäulenchirurgie ihren Stellenwert in der Behandlung degenerativer Erkrankungen der Wirbelsäule weiter ausbauen.